Interview mit Fedi, Sänger von CATARACT
am Sonntag, den 22.5.2005
CATARACT
gibt es inzwischen seit
knapp sieben Jahren (1998), im Jahr 2001 fand der erste und einzige
Line Up Wechsel der Band statt. Du hast den damaligen Sänger Mosh
ersetzt. Wie kam es dazu?
Ich kenne, um ganz am Anfang
anzufangen, Simon, Ricky, Mosh und Gregor schon bevor es CATARACT gab.
Eigentlich war es so, dass Simon mich als er die Band gegründet hat
gefragt hat, ob ich Sänger machen möchte in der Band. Damals hatte ich
noch meine eigene Band, gerade erst gegründet gehabt, die hieß, bzw.
heißt noch immer DARK DAY DUNGEON. Ich wollte dann ein Studium anfangen
in einer anderen Stadt und eigentlich ist das ganze an mir ein wenig
vorbeigerauscht. Dann haben die Mosh gefunden, mit dem Mosh angefangen,
und ich war dann eben bei DARK DAY DUNGEON zwei, drei Jahre. Dann 2001
hatte Simon als guter Freund der Band gemerkt, dass es mit der Band
nicht mehr so passt, dass ich nicht mehr happy war mit der Band. Das
war dann der Zeitpunkt, ein wenig in mir rumzustöbern, ob ich Lust
hätte bei CATARACT einzusteigen, weil sie mit dem Mosh halt von der
Distanz her- er hat in Würzburg gewohnt- die konnten nicht proben, und
wenn sie am Wochenende spielen, also die probten immer am Wochenende,
und wenn sie am Wochenende spielten, dann konnten sie gar nicht proben.
Das heißt, sie haben monatelang nicht geprobt mit Sänger und das ist
nicht von Vorteil für eine Band. Dann hat mich Simon über Wochen hinweg
immer wieder ein wenig drauf hingewiesen und dann schlussendlich
gefragt, ob ich einsteigen will und dann war´s für mich eigentlich
klar, dass ich da einsteige, denn für mich war CATARACT die Band in der
Schweiz zu der Zeit und von dem her war das kein Thema für mich.
Euer
erstes Album GOLEM (2000)
erschien bei FERRET MUSIC, einem amerikanischen Label. Etwas
untypisch für eine europäische Hardcoreband. Kannst Du mir erklären,
wie es zu der Zusammenarbeit mit FERRET kam?
Ja, das war zwar vor meiner Zeit,
aber ich war damals auch im Studio, als das Album aufgenommen wurde.
Ich war auch in den Staaten im Studio beim Mischen und so dabei. Ich
denke es liegt daran, dass der Simon auch extrem viele Kontakte in den
USA hat. Das heißt er macht, also der Ricky auch...die beiden sind
jetzt halt schon über 30 und machen seit sie 13, 14 sind Musik. Die
kennen extrem viel Leute von früher, die haben Bands gesehen, von denen
wir nur träumen, sind halt so die Kontakte die in der Hardcoreszene
entstehen, und auch ein wenig aufrecht erhalten. Und ich denke das ist
genauso, als der Carl von Ferret damals mit NORA auf Tour war in Europa
glaub ich, die kannten sich halt und haben dann mit CATARACT zusammen
gespielt und so ist dann der Kontakt zustande gekommen eigentlich. Das
ist glaub ich so das Ding.
Euer
zweites Album erschien bei
LIFEFORCE und nun „With Triumph comes loss“ bei METALBLADE - wohl
Traum jeder Band, bei solch einem professionellen Label zu landen. Wie
sind die auf Euch aufmerksam geworden?
METALBLADE? Das liegt eigentlich
auch an der Vergangenheit von der Band. Wie gesagt Ricky und Simon
hatten damals schon mit MINE den Kontakt mit CENTURY MEDIA oder NUCLEAR
BLAST, die waren kurz davor eigentlich da einzusteigen, dann ist der
Sänger ausgestiegen. Von dem her hatten die schon immer Kontakt und
dazu kommt auch, dass wir extrem viel also nicht nur im Hardcorebereich
spielen, sondern im Metalbereich und auch da ein wenig die Kontakte
pflegen. Ich denke das Hauptding war, dass wir extrem viele Liveshows
spielen, das heißt wir haben uns seit Anfang echt immer wieder den
Arsch abgespielt, genau - überall gespielt. Jedes Konzert, ob es jetzt
ein Festival war oder irgend ein Squadscheiß, egal. Wir haben überall
gespielt. Und wir haben auch immer extrem viel Kohle draufgelegt. Ich
denke das macht sich jetzt bezahlt. Wir haben uns nun ein wenig einen
Namen als gute Liveband gemacht, weil wir eben soviel gespielt
haben, und dadurch sind auch METALBLADE eigentlich auf uns aufmerksam
geworden.
Wie
viel Konzerte habt ihr so im
Jahr gespielt? Kannst Du mir einen Durchschnitt nennen?
Ich denke so 60, 70 Konzerte sind
das im Jahr. Ein, zwei Touren im Jahr und dann halt jedes Wochenende.
Also das war krass nach der Platte „With Triumph Comes Loss“, die ist
im September rausgekommen. Das erste freie Wochenende war im Januar,
diesen Januar. Das heißt wir haben eigentlich September, Oktober,
November, Dezember jedes Wochenende gespielt. Das ist jetzt so, und wir
machen das gerne. Das ist eigentlich auch so unser Ding.
Ist
bei Euch ein Traum dadurch
wahrgeworden?
Also ich denke wir sind dem Traum
ein Stück näher gekommen. Aber ich muss klarstellen, unser Ziel ist es
nicht 100%ig von der Musik leben zu können, also was heißt da unser
Ziel? Es ist unser Ziel, aber wir geben nicht alles rundherum auf, um
dieses Ziel zu erreichen, und es macht uns Spaß. Wir sind fünf gute
Freunde, wir sind gerne zusammen im Bus, touren gerne, wir sind gerne
das ganze Wochenende zusammen auf Shows, haben immer extrem Party und
das ist eigentlich das wichtigste. Alles andere kommt...wenn´s kommt,
kommt´s und sonst ist es uns eigentlich egal. Es ist nicht so, dass
wir jetzt so erzwungener maßen diesen Durchbruch schaffen wollen, oder
was auch immer, was andere Bands versuchen und irgendwie alles
rundherum aufgeben. Wir sind da ein wenig realistischer, es ist
einfach:
wenn´s klappt, dann klappt´s und
sonst egal. Also wir haben ne gute Zeit und das ist das wichtigste.
Wie
ist es eigentlich seit der
letzten Platte? Habt ihr gemerkt, dass sich seitdem Euer Publikum
verändert hat? Ihr seid jetzt auch auf einem größeren Label und daher
werden auch mehr Leute auf Euch aufmerksam...
Ja, das merkt man ganz krass. Also
erstens mal haben wir mehr Leute auf den Konzerten, sogar in der
Schweiz. Früher haben wir ab und zu mal in der Schweiz gespielt, aber
war wirklich nie was cooles dabei. Das ist irgendwie seit der
Releaseparty. Da waren so viele Leute da. Jetzt ist das immer so, auch
wenn wir in der Schweiz spielen und extrem viele Leute auch in
Deutschland. Auch auf der Tour mit MAROON hat es sich gezeigt, dass wir
am Dienstag vier, fünfhundert Leute ziehen. Das ist echt in Orten, in
Städten, von denen ich noch nie etwas gehört habe, Marburg oder so was,
wo ich noch nie war, wovon ich noch nie gehört habe, dass da überhaupt
ne Show ist.... Und da kommen dann einfach 400 Leute an einem Dienstag
und da dachte ich mir „pf“. Man merkt da auch, dass es andere Leute
gibt. Es gibt da die Hardcoreleute, die kommen immer noch, aber es gibt
auch viele Metallleute, die jetzt dann auf unsere Shows kommen und das
finde ich ganz cool.
Wie
steht es um die Schweizer
Hardcoreszene im Moment? Kannst Du mir ein wenig beschreiben, was da
vor sich geht?
Die Schweizer Hardcoreszene ist
eigentlich so: also ich bezeichne sie als „klein und fein“. Sie ist
auch wie in ganz Europa, so ein wenig am Wachsen mit den ganzen
Metalcoresachen denke ich, aber auch die „Oldschoolecke“ ist extrem am
Wachsen, v.a. in Luzern gibt es ganz viele neue junge Kids, die voll so
auf Oldschool stehen und das find ich ganz, ganz klasse. Auch in Zürich
und Zug, wo ich herkomme gibt es viele neue Kids. Früher war es so:
nach unseren Generation kam ein Loch von vier, fünf Jahren. Da war
einfach nichts mehr, einfach keine Konzerte mehr, keine Bands mehr. Und
jetzt ist es echt so, dass die Bands wie Pilze aus dem Boden schießen,
von überall. Aus der italienischen Ecke, von der französischen Schweiz
überall gibt es neue Bands, gute Bands.
Kannst
Du mir da ein paar Namen
nennen?
Also momentan finde ich, ist die
absolut beste Schweizer Band SOLID GROUND. Die stampfen echt alles in
Boden. Das ist echt der absolute Hammer! Das sind auch ein wenig ältere
Jungs, seit Ewigkeiten dabei und machen ihr Ding, echt Hammer Liveband!
Super! Und dann jetzt meine Ex-Band DARK DAY DUNGEON, die haben jetzt
ne neue Platte draus auf LET IT BURN. Dann gibt es DESPISE aus dem
Französischen Teil der Schweiz, dann gibt es FIVE DAYS RAIN aus
Zug, wo ich herkomme, ganz, ganz junge Kids. Es gibt noch etliche
andere Bands, die ihr unbedingt auschecken solltet.
„With
Triumph comes loss“- kannst
Du mir ein paar Worte zum Inhalt der Platte sagen? Gibt es da Dinge,
die Dir persönlich wichtig sind? Hast Du den Anspruch den Kids eine
Message mitzugeben?
Ich will jetzt nicht auf die
einzelnen Themen eingehen, aber im Großen und Ganzen geht es die ganze
Platte durch um uns und um die Menschheit. Und zum Titel: ich
persönlich hab das Gefühl, dass wenn man etwas
erreicht...(überlegt)...wenn man etwas erreicht, muss man irgendwas,
oder irgendjemand die Priorität nehmen. Das heißt, wenn man den Triumph
erreichen will, dann verliert man irgendwo anders. Das heißt zum
Beispiel, im ganzen ökonomischen Sinn, das bedeutet Wirtschaft und
so....da sind wir extrem stolz drauf, dass wir hier Wirtschaftsystem,
die ganze Kapitalismussache haben, dass es Wohlstand und Reichtum
bringt. Auf der anderen Seite gibt es immer noch Millionen von Leuten,
die vor Hunger sterben oder an irgendwelchen Krankheiten. Das ist so
wie der Preis, den man da bezahlen muss für den Triumph, sagen wir mal
so. Für mich ist es eigentlich gar kein Triumph, sondern es ist sich
selbst ein wenig verleugnen. Das heißt man hat für sich das Gefühl, man
hat etwas Gutes erreicht, aber eigentlich auf der anderen Seite geht es
doch kaputt. Ich denke diese Welt ist momentan so, dass sie eigentlich
so läuft. Das ist einfach bei fast allem so, dass die Menschheit auch
das Gefühl mit Technik und die ganze Wissenschaft, mit den
Errungenschaften haben sie immer das Gefühl, „ja ihr entdeckt etwas
neues“, aber da ist immer irgendetwas, was dann rückwirkend irgendwie
scheiße ist.
Bist
Du der Meinung, dass sich im
Moment eine Art „Depression“ durch die Menschheit zieht? Oder besser
noch gesagt durch die Gesellschaft? Oder werden die Menschen dadurch
eher kreativ und sagen: „Okay, wir versuchen da was zu verändern!“ Du
hattest heute auch das Thema „Technik“ angeschnitten. Meiner Meinung
nach hat sich die Gesellschaft so entwickelt, dass der Mensch immer
danach schaut, wie er Dinge fortschrittlicher machen kann, aber hat
dabei zuwenig mögliche Konsequenzen bedacht. Denkst Du, dass eine
Umkehr noch möglich ist, oder steuern wir, jetzt mal plakativ gesagt,
auf ein Ende zu?
Also ich denke nicht, dass Umkehr
noch möglich ist, ich denke es ist zu spät. Man kann sicher einige
Sachen eindämmen, aber ich denke man müsste das ganze von Grund auf
verändern. Darum geht es auch in einigen Texten. Das heißt, man muss
von ganz Anfang an, v.a. bei er Erziehung darauf achten, dass gewisse
Werte in die ganze Erziehung einfließen und nicht nur wie gesagt,
wichtig der Job, wichtig dass Du Kohle hast usw. Die ganzen materiellen
Werte werden v.a. im Westen extrem hochgeschätzt, und das ist finde ich
das Falsche, dass es v.a. in der Erziehung vermittelt wird. Es muss
anfangen, denn wenn jetzt Leute die 30, 40 sind oder irgendwelche
Wirtschaftssysteme zu ändern einfach so, das geht nicht, sondern das
muss von unten kommen, denke ich. Darum ist es auch wichtig, sprich in
Drittweltländern, dass man da den Leuten eine Chance gibt, dass sie
eigene Bildung haben, dass sie selbst entscheiden können: “was ist gut
für mich?“, und nicht irgend einem System aufgedrückt bekommen
wie ein Stempel.
Was
denkst Du, welche Werte soll
man Kindern vermitteln?
Das ist ne ganz schwierige Frage.
Sicher das ganze mit der Umwelt. Das ist etwas, was ich extrem wichtig
finde, dass man den Kindern mitteilt, dass alles was man
zerstört....also es muss für die Ewigkeit dauern. Das heißt wenn ich
jetzt was zerstöre, dann haben alle Leute die nachher, oder Deine
Kinder und die Kinder Deiner Kinder, die haben das dann nicht. Genau,
das geht was verloren, was extrem wichtig ist. Das Grundprinzip ist der
Respekt zwischen verschiedenen Menschen. Ich meine damit, dass man
einfach akzeptieren muss, dass es verschiedene Menschen gibt. Das finde
ich extrem wichtig, dass man das einfach akzeptiert und damit
toleriert. Das heißt, wenn jetzt jemand anders ist, dann soll er anders
sein, aber man muss ihn nicht deswegen verurteilen.
Ich
wollte auch noch etwas auf das
Thema „Hardcoreszene“ eingehen, da in letzter Zeit ja immer wieder wild
über Themen wie „Integrität“ innerhalb der Hardcoreszene diskutiert
wird, es wird über Werte geredet, besonders Bands, die
kommerzielle Wege gehen (sage ich jetzt mal vorsichtig) werden von
vielen angeprangert. Es gibt immer noch einige Bands die sagen „Nö, wir
machen keine CD, es muss Tape sein, weil das ist Punkrock, das ist
Hardcore!“ Wie siehst Du das?
Also ich denke, die Bands, die das
machen wollen, die sollen das machen. Und wie gesagt, ich finde es
wichtig, dass jeder das macht, was er will. Für mich ist das eigentlich
Hardcore. Es hat überhaupt nichts zu tun mit kommerziell oder nicht
kommerziell, mit auf CD oder auf Platte, oder auf Vinyl oder was für
Shows Du spielst, sondern für mich war Hardcore immer, das zu machen,
was Du willst, also das zu machen, was ich Bock drauf hab und wie ich
das mache das ist echt grob genommen meine Entscheidung . Das ist echt
das, was Hardcore immer für mich war: das zu machen, was ich will oder
was wir wollen. Und ich kann es teilweise verstehen, aber ich denke das
sind Leute, die extrem engstirnig sind. Das heißt also, als ich 17 war,
da war ich auch so: als ich 17 war, war ich Straight Edge, und ich...
ich bin noch immer Straight Edge, aber für mich war jeder, der nicht
Straight Edge war scheiße....das sind halt so ein wenig pubertäre
Auswüchse. Keine Ahnung wie ich das beschreiben soll, es ist halt so,
dass man dann ein wenig engstirnig wird, mit Scheuklappen und alles
andere ist sekundär, und nur das Ziel wichtig. Das war für mich auch so
und wenn Du ein wenig älter wirst, dann wirst Du ein wenig offener, für
verschieden Sachen, aber wenn Du immer noch das machst, was Du willst,
bist Du mehr Hardcore als jeder andere.
Du
hast vorher „Pubertät erwähnt.
Mich interessiert, wie bist Du zu Hardcore gekommen? Wie bist Du
aufgewachsen?
Also ich kam eigentlich aus einer
süditalienischen Familie, das heißt für mich, mein Leben, meine Eltern
sind in den 70er Jahren, 60er Jahren in die Schweiz ausgewandert um
Geld zu verdienen, weil Italien ein sehr, sehr armes Land war, also
v.a. Süditalien. Ich bin zwischen zwei Kulturen aufgewachsen. Das heißt
zuhause die süditalienische, nicht streng katholisch, aber so ein wenig
gläubig angehauchte Familie, war aber tagsüber bei einer Schweizer
Familie, weil meine Eltern arbeiten waren. Da bin ich ein wenig
zwischen Schweizer und italienischer Kultur hin und her geschwankt. Das
hat mich auch sehr beschäftigt so mit 13, 14. Damals war ich ein wenig
so wie in der Zwickmühle, es war eine so ganz, ganz komische Zeit.
Was
hat Dich damals beschäftigt?
Die zwei verschiedenen
Kulturen...also es waren eigentlich belanglose Dinge, oberflächliche
Dinge eigentlich, wie Sonntag in die Kirche gehen, oder sich anders
anziehen. Ich war nicht der typische Italiener, weil ich bei einer
Schweizer Familie aufgewachsen bin, aber ich war trotzdem Italiener.
Und die Italiener, alle meine Cousins, meine italienischen Freunde, die
waren alle so der 08/15 Italiener: Technomusik, schöne Klamotten,
Autos. Ich war damals 15, aber trotzdem es waren so die Dinge, die mich
nie interessiert haben. Ich hatte nie Gel in den Haaren...das sind
einfach Kleinigkeiten. Als 13, 14 Jähriger denkst Du Dir auch
irgendwie, ich will das nicht, aber alle verlangen das von Dir, und da
bist Du dann so irgendwie zwischen zwei Stricken. Der eine zieht auf
die eine Seite, die Kultur, und die andere auf die andere. Und das ist
eigentlich so die Zwickmühle, in der ich drin war. Und ich denke da
auch, dass als ich mit 13,14 dann in die Hardcoreszene kam, ich dann
halt meine zweite „Familie“ gefunden habe, eigentlich durch Zufall...
denn beim Skaten haben halt alle meine Freunde angefangen harte Musik
zu hören , sind dann auf die ersten Konzerte gegangen.
Wie
war das damals? Gab es
damals ein prägendes Erlebnis für Dich, das Ihr gesagt habt, so wir
sind jetzt ne Hardcorecrew?
Ja, da wo ich herkomme, aus Zug, da
waren wir so zehn bis zwölf Leute, die angefangen haben Konzerte zu
machen. Das war, ich tippe jetzt mal, so `95, `94. Da war ich eben 15,
ja 14. Haben dann angefangen zusammen Konzerte zu machen und dann auf
jedes Konzert zu gehen, scheißegal wo und die ganze Zeit zusammen halt
und einfach halt immer wieder die gleichen Leute auf den Konzerten zu
sehen. Es war halt echt sowas wie ne große Familie und das ist das, was
mich am Hardcore immer so extrem...ja, das ist das was mir gefehlt hat,
als 15jähriger und das hab ich echt gebraucht und ich bin auch froh
darüber echt.
Hat
es Dir damals auch schon so
Werte vermittelt? Du hast das praktisch bei Deiner Familie vermisst,
also quasi so ne Orientierung?!
Ja, also im Nachhinein, wenn ich
jetzt- als ich bin jetzt 26- und ich bin eigentlich extrem stolz auf
meine Familie und ich bin froh in so einer Familie groß geworden zu
sein, aber als 15jähriger war es extrem schwer, zwischen den zwei
Kulturen. Da fand ich mich irgendwie auf Hardcoreshows. Da konnte ich
sein, wie ich wollte, ich konnte mich kleiden wie ich wollte, ich
konnte die Musik hören, die ich wollte und ich war einfach akzeptiert.
Das ist einfach das coole an dem ganzen Hardcoreding. Das schätze ich
eigentlich heute noch. Damals war halt die Hardcoreszene auch in der
Schweiz sehr, sehr klein und da habe ich alle Leute kennen gelernt, die
mir heute wichtig sind. Das heißt meine ganze Band, den Pat und auch
die Leute in Deutschland hab ich eigentlich durch Hardcore kennen
gelernt. Das ist auch etwas , über das ich jetzt extrem froh drüber
bin, dass ich fast in jeder Stadt in Europa jemanden kenne, nur wegen
Hardcore eigentlich. Also wegen der Musik, die ich höre und spiele,
kenn ich in jeder Stadt irgendjemand oder ich kann fast auf der ganzen
Welt irgendwo hinreisen und irgendjemand kenn` ich da oder kann ich
kontaktieren. Das ist das geilste. Nur wegen der Musik und das ist echt
faszinierend.
Ich
muss jetzt noch einmal weit
ausholen. Und zwar noch mal zurück zur Hardcoreszene: wir sind
jetzt im Jahr 2005, Hardcore und Metal rücken immer näher zueinander.
Kannst Du Dir Hardcore im Jahre 2015 vorstellen? Und wie sieht das aus?
(Lacht)Yo, das ist ne schwere
Frage, oh Mann (lacht)!
Denkst
Du, dass Metal und
Hardcore noch mehr zusammenrücken?
Also ich denke nicht. Ich spreche
jetzt von den Szenen: die Hardcorementalität und die Ideologie vom
Hardcore wird denke ich nie mit der Ideologie vom Metal zusammen
kommen, musikalisch ganz klar. Für mich ist es heute so, dass die
Ideologie vom Hardcore besteht, einfach mit der Metalmusik. Also für
mich persönlich ist CATARACT klar eine Hardcoreband, die eigentlich
Metal spielt. Aber es ist mir wichtig, dass wir ne Hardcoreband sind,
denn ich will ja mit der Musik etwas aussagen und ich denke nicht, dass
auch in 2015, dass Metalbands...es gibt Metalbands, die irgendwas
vertreten oder irgendwas aussagen, aber die meisten Metalbands,
die...also sprich echt nicht musikalisch, aber auch von der Szene
„Metal“ sagen gar nichts aus, die machen einfach harte Musik und ich
denke nicht, dass sich das verbinden wird, weil also das sieht man auch
an Konzerten, Metalleute sind total anders als Hardcoreleute. Das ist
einfach so.
Was
sind da die größten
Unterschiede?
Also das, was ich beim Metal nicht
so mag, ist das ganze „Oh, ihr seid ne Band, oh Autogramm, oh ...“...es
ist etwas, was ich immer so cool fand am Hardcore: Bühne, Leute vor der
Bühne, das war ein Ding, das ist das geile. Die Band ist Teil vom
Publikum, das Publikum ist Teil der Band, alles zusammen. Da brauchst
Du kein Backstage, da brauchst Du scheißegal, da musst Du Dich nicht
verstecken können. In der Metalszene ist es echt so, dass Du wenn Du
mit Backstage hast, da kannst Du Dich zurückziehen, da kommt nicht
irgendwie jemand, der Dich nachher wie ein betrunkener Metaller, der
dich die ganze Zeit voll labert über irgendwelche Sachen und das ist
eigentlich das, was ich an Hardcoreshows schätze und dass man
wirklich ein...eben das ganze , die Band so als weit wegsehen mag ich
nicht, auch das ganze, wenn vor der Bühne so ne Abschrankung ist und
so, mag ich überhaupt nicht. Ich mag so große Festivals überhaupt
nicht. Ich weiß, dass man diese Festivals halt spielen muss, und ich
spiel sie auch, aber ich mag lieber Konzerte wie heute, wo die Bühne so
klein ist. Am liebsten nur ganz wenig, oder gar nicht und die Leute
direkt...ist viel persönlicher irgendwie und Du merkst wirklich die
Energie wie sie rüberkommt und wieder zurück und bei großen
Metalkonzerten ist es halt nicht so. Da gilt es halt Musik spielen und
dann weiter.
Du
hast vorher was gesagt, dass ihr
ne Message habt. Kannst Du das kurz zusammenfassen? Oder ist die Frage
zu weitreichend?
Ich denke es ist recht
weitreichend, also mit den Texten. Ich kann kurz nur was zu den Texten
sagen. Das sind eigentlich Sachen, die mich persönlich oder jemand von
der Band persönlich beschäftigen. Das sind Sachen, die einerseits
persönlich sind, andererseits auch mit gesellschaftlichen Dingen zu tun
haben, Sachen über die wir uns Gedanken machen. Ich will nicht sagen,
dass wir eine Grundmessage haben, aber ich denke schon, dass wir ein
wenig mehr auf unsere Welt achten sollten. Das ist eigentlich so das
Grundding. Es ist ein wenig plakativ, aber ich denke das ist das, was
ich persönlich in meinen Texten verarbeite und auch...ich finde es also
auch wichtig, dass die Leute das, wenn sie wollen, es geht immer drum,
wenn jemand das will, dann meine Gedanken halt das weiterführen halt
preisgeben und die Leute auch Gedanken darüber machen. Das heißt ja
nicht, dass sie die gleichen Meinungen haben müssen wie ich, das ist
nicht wichtig.
Auf
Euren Konzerten ging es in
letzter Zeit einige Male heiß her und ihr musstet teilweise Shows
unterbrechen, weil sich die Leute die Köpfe eingeschlagen haben...also
Trier glaube ich inzwischen sogar schon zum zweiten mal. Wie geht´ s
Euch damit? Kannst Du Dir erklären, warum das so ist? Mit Sicherheit
macht ihr brutale und aggressive Musik, aber da seid ihr ja nicht die
einzigen. Und jeder der Euch persönlich kennt, weiß dass ihr sehr liebe
Menschen seid und Ihr seid ja jetzt auch nicht so, dass Ihr propagiert,
kommt schlagt Euch gegenseitig die Fresse ein....
Ich hab keine Ahnung warum das so
ist. Ich weiß es nicht. Jedes mal, wenn ich daran denke pisst es mich
extrem an, weil das letzte Mal in Trier war halt echt so, dass wir mit
diesem besoffenen GI einen recht schweren Stand hatten. Das war
eigentlich der Hauptgrund, aber es ist ja klar, wenn du brutale Musik
machst, dann ist es ein wenig das Risiko und ich denke, also oft ist es
eigentlich so, dass die zwei Welten, wie wir gesagt haben, die Hardcore
und die Metalleute aufeinanderprallen an einem Konzert und die Metaller
wollen einfach den Kopf schütteln und die Hardcoreleute sind so nen
bischen mehr aktiv, das heißt ein bisschen mehr Bewegung und die einen
dann noch anfangen zu kick boxen und dann eben noch ein paar Besoffene,
dann geht´ s recht schnell. Also ich finde es extrem schade und ich
finde es ist einfach wichtig, dass die Leute sich gegenseitig
beachten...jeder soll so tanzen wie er will, aber man soll sich einfach
gegenseitig respektieren und ich finde es schade, wenn man wegen dem
Konzerte unterbrechen oder absagen muss..
Irgendwelche
Zukunftspläne für
2005? Ich habe auf eurer Homepage gelesen, dass ihr im Sommer ein paar
Konzerte mit AMON AMARTH und IMPIOUS spielen werdet....gibt es sonst
noch was aus dem Nähkästchen für unsere Leser?
Wir werden sicher die Festivals
spielen, also Open Airs, das heißt With Full Force, Wacken Open Air,
was gibt´ s noch? Dour Festival, Open Air Grainichen in der Schweiz,
Fury Fest, Pressure Fest, noch ein paar andere Festivals, und dann im
August mit AMON AMARTH eine Woche unterwegs, dann sind wir noch in
Athen das erste Mal, ja eine Show. Ganz lustig, mit STRETCH ARMSTRONG
fliegen wir da runter für dieses Festival. Da bin ich extrem gespannt
darauf. Dann ist es so, dass ich persönlich Prüfung hab an der Uni im
Oktober, das heißt ich studiere noch, eigentlich studiere ich weniger,
weil ich überhaupt keine Zeit habe momentan, aber es eigentlich mein
letzter Prüfungstermin den ich hab, und den muss ich wahrnehmen, sonst
hab ich vier Jahre für die Katz studiert und demnach ist es im Herbst
dann etwas ruhiger. Wir sind jetzt dran, haben schon drei neue Songs
und ich denke so auf Ende Jahr machen wir eine neue Platte fertig und
im Januar gehen wir dann ins Studio.
Weißt
Du schon wo?
Wir gehen wieder in die ANTFARM,
nach Dänemark, das war extrem gut letztes mal, und ja ich denke dann
Frühling wird die neue Platte kommen. Wir haben schon einige, aber
nicht sichere Pläne für 2006, so zwei drei Touren, die uns anstehen,
aber wissen noch nichts genaues.
Gibt
es Länder, die ihr gerne mal
bereisen möchtet? Wie wäre es mit Japan oder Australien?
Also Japan, Australien stehen auf
dem Menüplan 2006, ob es wahr wird weiß ich nicht, aber es ist
jedenfalls geplant: Auch USA ist geplant, mit wem und wann wissen wir
aber noch überhaupt nichts. Aber dieses mal glaub ich, ist nicht
definitiv, aber diese Hell on Earth Tour, hätten wir dieses Jahr
mitspielen sollen, aber da Meister Fedi eben Prüfungen hat, geht das
leider nicht, und da sind wir für nächstes Jahr glaub ich dann
dabei, aber das ist auch noch nicht definitiv.
Ein
paar abschließende Worte...
Ich find´ s einfach super, dass uns
so viele Leute unterstützen, v.a. aus der Hardcoreszene. Das finde ich
super und das ist mir extrem, extrem wichtig, weil sonst hätte es für
mich keinen Sinn mehr. Das ist eigentlich das, was ich sagen wollte.
Okay,
dann danke ich Dir für das
Interview.
Danke Dir.
Das Interview wurde von Cornelia
Schmitt geführt.