Interview
am 19.03.2005 mit Sänger Orhun Öner im Café “Blauer
Engel” in Ludwigsburg.
Ihr
werdet am 23.3.05 euer Debut Full Length bei GUIDELINE RECORDS
veröffentlichen, die den Namen „Give us our hearts back“
trägt. Als Band seid ihr im Original Line Up – Respekt - schon
seit 2000 aktiv. Ich kann mich auch noch ganz gut an eines Eurer ersten
Konzerte im Garten des Café „Barrock“ in Ludwigsburg erinnern.
Das war bei einem Festival von GRUNZ, der Ludwigsburger
Musikerinitiative. Verdammt lange her, seitdem habt ihr Euch konstant
weiterentwickelt und Euch einen Namen in der Hardcoreszene erspielt.
Kannst Du mir grob die letzten vier Jahre skizzieren? Wie kam es zu
MORE THAN EVER, und wie war der Weg zu dem Punkt, an dem ihr heute seid?
Eigentlich war es so, dass Taner,
Daniel Niedrich und Uli schon davor bei GRUNZ gejammt haben, haben halt
so ein paar Sachen gecovert . Ich hab den Taner gekannt und ihn dann
mal getroffen in der Stadt und ihn gefragt: „Was machst Du jetzt?“ und
er dann: „Ich geh jetzt proben.“ Und ich: „Hey, hast ne Band...“ dann
hat er gemeint: „Ein bischen… wir spielen halt Songs von Slayer nach….
Ja okay, da hab ich dann gesagt: „Sucht ihr noch `nen
Sänger..“ und er dann: „Yo, schon irgendwie“ und dann: „Ja, ich
komm dann mal vorbei zur Probe. Geh ich halt mal hin zur Probe- jetzt
hat es so `nen Kind hingehauen, aber egal- (lacht) und dann haben
wir mal eine Probe gemacht, ein wenig rumgeschrien. Ich hab
natürlich auch das erste Mal geschrien und gesungen. Es war
für mich auch ein wenig komisch irgendwie…ja dann hat´ s
angefangen. Der Anfang war April 2000 ungefähr, Mai 2000.
Und wie kam es
dazu, dass die anderen drei bei GRUNZ waren?
Keine Ahnung. Ich denke, die sind
einfach hin und haben gesagt, wir wollen ein wenig Musik machen, habt
ihr `nen Proberaum?! Ich meine, GRUNZ ist ja dafür da, um solchen
Bands irgendwie `ne Plattform zu bieten, oder halt irgendwie voll
billig `nen Proberaum kriegen, da reingehen, und da ist ja alles schon
gestellt. Du hast da Boxen, Schlagzeug. Okay das ist alles nicht das
Topzeug dort, aber für die Anfänge ist es auf jeden Fall voll
gut. Dann irgendwann mal haben wir die ersten Songs geschrieben. Da
haben wir gemerkt, so ohne Bass macht das Ganze keinen Spaß. Dann
haben wir einen Bassisten gesucht. Ich hab dann irgendwie mitbekommen,
dass der Zol so semiprofessionell da irgendwie `nen bisschen Bass
spielt, also mehr schlecht als recht. Dann hab ich ihn mal angefragt
bei `ner Show, ob er nicht Bock hätte. So, da hatte ich dann das
Gefühl er war nicht so überzeugt davon. Er hat immer so
rumgedruckst so, als ob: „Ah, an dem Tag hat er keine Zeit, und
so“...Ich hab ihn dann die ganze Zeit angerufen, „komm mal
vorbei“...und irgendwann mal kam er eben und fand´s auf Anhieb
gut. Und dann war der Zol auch dabei.
Warst Du damals
auch schon viel auf Hardcorekonzerten? Kanntest du den Zol daher?
Ja, also den Zol auf jeden Fall.
Die anderen drei waren davor nicht so in der Hardcoresache drin, aber
ich war früher bei TURN AWAY Shows, die hießen früher
ja CROWD PULLER, da waren früher auch Shows im GRUNZ oder in
Stuttgart, da war ich dann manchmal auch dabei und hab mir die Sachen
auch angeschaut. Von daher kenne ich den Zol, den XPornoX und echt
alle, da hat es angefangen. Ja okay und dann...was war dann? Haben wir
angefangen Song zu schreiben (lacht),
was ziemlich witzig war....
Was fällt
Dir da gerade ein?
Zum Thema witzig? Wir haben damals
CDs gehabt und haben sie davor angehört. Dann haben wir gesagt,
das muss jetzt so und so klingen. Und ich hab am Anfang echt
richtig „newyorkig“ geklungen, ich hatte echt so
„uääääh uääh Stimme“ (versucht Freddie Madball nachzumachen,
beide lachen)…ja und das war eben irgendwie nichts. Wir hatten
dann irgendwann mal im März unser erstes Konzert, vor vier Jahren,
bei so `nem „Shortplay Festival“. Da waren tausend Bands, jeder hatte
so 15 Minuten Zeit und dann hatten wir da unsere erste Show. Bis dahin
hatten wir vier Songs geschrieben, echt mehr schlecht als recht, aber
damals waren wir richtig überzeugt davon...Hauptsache mal `ne Show
machen…das war unsere erste Show dann. Ich hab das Video noch daheim,
und es ist so lustig. Aber das ist natürlich auch wieder so `nen
Ding, man erinnert sich ja auch gerne daran, es war auch richtig cool.
Da ging´ s richtig ab, aber auch nur, weil wir die härteste
Band des Abends waren. Davor lief so richtige komische Metal-
Trashmucke. Ja und dann, was war dann?
Wie kam´s
denn zum ersten Demo?
Wir waren davor erst (lacht) bei
„Erich-wir–waren–auch–mal–Hardcore–nur–anders–Flacht“, bei dem auch
OPPOSITION OF ONE und CLOSELINE aufgenommen haben. Der Erich halt… so
hieß der Typ. Ein super „stranger“ Typ. Naja egal, auf jeden Fall
haben wir unsere ersten zwei Songs aufgenommen...wie hießen die,
lass mal überlegen...“Alone“ und „ My Love“ glaub ich. Danach
haben wir diese 7“ gemacht mit CLOSELINE, TURN AWAY, OPPOSITION OF ONE
und die hieß dann „Follow Your Heart Compilation“. Das hat
dann echt lange gedauert, bis die rauskam, und in der Zwischenzeit
hatten wir dann...ich überleg gerade, im welchen Monat kam die
Demo2002 genau raus, weißt Du das noch?
Ich glaube das
war im März oder im April?
Ich weiß es auch nicht mehr.
Auf jeden Fall haben wir das bei Marc aufgenommen, bei Marc For An
Answer aka Marc RIGHT HERE. Das war auch für ihn das erste Mal,
dass er mit ´ner Band ein Demo aufgenommen hat. Da hat es dann
quasi auch angefangen, danach kamen dann MOTU, TEAMKILLER, selbst
CRISIS und RIGHT HERE - das Neuste. Wir waren das erste mal bei
ihm und haben halt auch mehr oder weniger ausprobiert. Wenn man
sich die Demo anhört, das hört sich schon ein wenig komisch
an, aber wir waren damals voll überzeugt von der Demo und im
Endeffekt hat die Demo ja auch den Benne überzeugt. Er hat mal
gemeint, er fand die Demo voll gut, das hat uns dann schon gefreut.
Dann kamen ein paar Shows, klar wir haben dann etliche Shows gespielt
hier im Umkreis, alles mitgenommen was ging.
Stimmt. 2002 hab
ich Euch hier ziemlich oft gesehen.
Am Anfang ist es auch voll wichtig
oft zu spielen, auch hier in der Gegend zu spielen, weil man den Leuten
eben zeigen will oder muss: „Hey, wir haben `ne neue Band, schaut uns
mal an, wir machen halt irgendwie was anderes , wir machen nicht den
„newyorkigen“ Sound wie SIDEKICK oder den Metalsound wie ABSIDIA damals
oder CRISIS , sondern wir machen den alten Newschool mit Mosh und ohne
Metal… irgendwie so. Ja, dann haben wir ein paar Shows gehabt und
langsam aber sicher kannten uns dann einige aus der Gegend. Auf jeden
Fall wussten die Leute: okay da gibt es eine Band aus Ludwigsburg, die
heißt MORE THAN EVER, die machen Musik.
Danach habt ihr
Euer zweites Demo aufgenommen?
Ne ne, dazwischen haben wir
noch was aufgenommen, eine „Four-Way -Split -Compilation“: „Four Ways
One Thought“ mit NO MORE FEAR, NEVER FACE DEFEAT, und einer
philippinischen Band, die hießen WHITE MINORITY. Da haben
wir das auch wieder klar bei Marc aufgenommen, aber dieses Mal haben
wir es live eingespielt, weil es ganz schnell gehen musste. Wir haben
dann auch 3 Songs dafür aufgenommen, aber die Songs waren echt
cool und die klingen auch gut, aber das Ding ist eben voll
untergegangen..
Wie kam es dann
zu diesem Zusammenschluss von den vier Bands?
Also irgendwie kam es dazu, dass
diese philippinische...quatsch, die kamen aus Indonesien...die wollten
was machen, so `ne „Four -Way - Split“ aber irgendwie haben die keine
Kohle gehabt und dann hat einer von NEVER FACE DEFEAT das in die Hand
genommen, und auf seinem Label LUCIFERS LEGION RECORDS
veröffentlicht..... ...ja auf jeden Fall ist das Ding voll
untergegangen. Und dann kam halt...was kam dann eigentlich? Dann kam
unser „Silent & Cold“ Demo.
Da fängt
dann eure Partnerschaft mit Guideline Records an...
Genau! Eigentlich ist die
Geschichte so, dass wir Songs hatten und gemeint haben: „Hey die sind
gut, die nehmen wir jetzt auf, klar beim Marc wieder…“ und ich hab
mitbekommen, dass der Benne jetzt so `nen Label hat und bei einer Show
im Hammerschlag habe ich mit dem Benne ein bisschen gelabert, :“ Hey
Benne, wie läuft´s bei GUIDELINE, sucht ihr da noch Bands?“
und da hab ich dann echt auch direkt gefragt, ob er nicht auch Bock
hätte auf uns und der Benne hat dann gemeint: „Na klar!“,
weil er fand unser erstes Demo schon richtig gut. Die Songs danach fand
er auch gut und er war der Meinung, dass wir Potential haben. Er hatte
auf jeden Fall Bock und so hat es dann angefangen. Wir waren auch
begeistert, dass irgendjemand da Hoffnung und Vertrauen in uns setzt,
das war für uns auch neu und hat uns echt gefreut. Dann haben wir
das „Silent and Cold „ Demo aufgenommen mit Marc, und das haben wir
dann bei Toby TIN ROOF noch mal nachmischen lassen, versucht fetter zu
machen, was im Endeffekt dann nicht mehr so gut geklappt hat, weil es
einfach an der Aufnahme lag, denn die Aufnahme war nicht so wirklich
ideal.
Aber soweit ich
mich erinnern kann hat sich dieses „Silent &Cold“ Demo ziemlich gut
verkauft....
(Orhun
fängt laut an zu lachen) Die Erstpressung von 500 ist weg,
Natürlich haben wir uns aber echt auch den Arsch abgespielt, dass
wir das Zeug dann verkaufen, aber es war für uns echt gut. Das war
das erste mal, dass eine Art von „Professionalität“ ein wenig mit
reingekommen ist. Und das war echt super.
Denkst Du, dass
das Euch auch etwas gebracht hat, an mehr Shows ranzukommen, auch
weiter weg, als nur im Umkreis? Ich glaube, ihr habt in der Zeit
auch ziemlich oft im Osten gespielt, und in der Schweiz.
Wir haben im Osten eher so in
unserer „Demo 2002 Zeit“ gespielt. Da haben wir drei, vier Shows
gehabt, seitdem aber nicht mehr. Da kam auch nicht wieder was (lacht)
Da solltet Ihr
dann mal wieder anknüpfen...
Auf jeden Fall (lacht). Wir hatten dann ein paar
Shows in der Schweiz. Und in der Schweiz ist es wirklich sehr toll,
sehr nette Menschen die Schweizer. Da wird eher dieses „Newschool
Hardcore“ gehört, mit Mosh und Melodien. Die waren da echt sehr
offen dafür, in Österreich auch. Wir hatten Shows in
Dornbirn, mit ein paar -ach was heißt größeren Bands-
wir haben mit FEAR MY THOUGHTS gespielt und DEVIL ATE MY SON. Die
Show war wirklich super, also es hat echt Spaß gemacht.
Wie viele
Veröffentlichungen gibt es denn von Euch? Kannst Du Dich daran
erinnern...?
(Orhun
lacht) Hahahha, wir haben auch die „Suck City Sampler“
mitgemacht...
Kam dieser
Sampler überhaupt jemals raus?
Der „Suckcity“? Der kam so was von
raus (lacht), das war ...Junge
Junge...also der erste „Suck City Sampler“, hahahha, die Aufmachung war
so witzig.
Warum? Was war
da drauf?
Da waren so abspritzende Penise
drauf, hahahhah, (lacht) die
auf so `nen CDU Gebäude draufgespritzt haben, der Hammer...innen
drin waren dann zwei nackte Frauen, also so richtig
„pornomäßig“, echt ganz merkwürdig. Also von den Bands
her war das ganz okay, es waren echt `nen paar gute Bands drauf: DEVIL
INSIDE waren drauf und ein paar Oldschool Bands …und wir waren da auch
drauf , Lied Nummer 58 oder so (lacht),
keine Ahnung, ganz weit hinten auf jeden Fall. Na ja okay, dann kam der
„Suck City Sampler 2“, da waren wir auch drauf...(beide lachen)...ja , da waren wir
auch drauf. Dann irgendein anderer:„From The Bottom To The Barrel“ da
waren wir auch drauf, sozusagen der „Suck City“ Nachfolger… dann hatten
wir das Demo 2002, dann die „Four Way“ Split, Demo 2003 - das
„Silent&Cold“ Demo, dann die 2004 „Hold The Line Records“ Demo,
dann jetzt „Give Us Our Hearts Back“ das Album...was hatten wir noch?
Ah, dann natürlich die „Follow Your Heart“ 7“, ich glaub, ich hab
sie jetzt auf jeden Fall alle...und dann noch die Vier- Spur-
Aufnahmen, unsere „Blueprint“.
Wir haben
gesehen, dass ihr viel geübt habt auf Demos, deshalb habt ihr
jetzt so `ne gute Platte gemacht. Trotzdem noch mal zurück zur
Band: Wer ist bei Euch die treibende Kraft?
Die treibende Kraft sind wir alle.
Wer kümmert
sich um was?
Zol ist mehr derjenige, der sich um
Merchandise kümmert, er hat die Zahlen im Kopf und macht die
Layout Sachen und checkt auch Konzerte ab. Taner, Daniel und Uli sind
dann natürlich die musikalische Seite. Taner betreut auch noch
unsere Website, okay….ich habe natürlich die leichteste Aufgabe,
weißt du vom bandtechnischen her...ich schrei ja nur. Zol, Taner
und ich schreiben die Texte, aber ich mache hauptsächlich
Promozeug, sprich z.B. ein Teil der Interviews. Ich gehe auch auf
Shows, versuche mit ein paar Leuten Kontakt zu haben, und hab mit
Leuten in der Schweiz, in Österreich, jetzt auch Deutschland sehr
viel Kontakt und versuche so dieses „MTE - Ding“ voran zu bringen, dass
die Leute dann immer wieder Stuff von uns bekommen – ja, das ist so
meine Aufgabe, auch Shows abchecken. Meistens bekomme ich dann auch
Showanfragen von Leuten, aber wir machen quasi alle was
dafür.
Ich kenne Dich
jetzt
persönlich auch schon einige Jahre und hab` Dich eigentlich immer
als sehr konstant erlebt, dass Du Dein Ding verfolgst, dass Du
überzeugt bist von dem, was Du machst.
Muss man auch sein...
Ich habe es am
Anfang schon mal
erwähnt: ihr seid mit einem festen Line-Up seit vier Jahren dabei.
Ich finde, das ist keine Selbstverständlichkeit, da es so viele
Bands gibt, die ihre Besetzung in der Zeit fünf bis sechsmal
wechseln. Woher kommt diese Konstanz bei Euch? Ihr seid meiner Meinung
nach krass unterschiedliche Typen…
Das ist der Grund - diese
Unterschiedlichkeit. Wir sind alle untereinander schon gut befreundet,
aber wir hängen jetzt nicht so oft miteinander ab. Ich gehe schon
mal mit Daniel oder mit Zol auf Shows oder mit Taner zum Döner
Essen, aber die Basis von uns ist eigentlich schon die Musik. Und so
ist es echt auch auf der Bandebene richtig gut. Wir genießen auf
jeden Fall die Zeit miteinander, wenn wir ein paar Shows hintereinander
haben, dann ist das immer witzig...
Taner und Du,
ihr seid beide
türkischer Herkunft. Ich kenne nicht viele Türken, die auf
Hardcore stehen...eigentlich muss ich sagen, kenne ich nur Euch beide…
Es gibt noch einen aus der
„SIDEKICK – Ecke“...Hakan, hab ihn ein paar Mal auf Sidekickshows
gesehen.
Wie bist Du zu
Hardcore gekommen?
Du persönlich.
Wie bin ich zu Hardcore
gekommen? Also angefangen hat´ s mit METALLICA, irgendwann mit
11, 12 oder so, die härterer Schiene halt. Das war dann ´92,
´93 glaub ich. Ich war da 13 und hab METALLICA gehört. Dann
kam irgendwann mal DOWNSET und BIOHAZARD und DOG EAT DOG. Das war diese
„´94 Crossoverzeit“, und dann keine Ahnung…dann hab ich , da war
ich 15 oder 16, eine CD geschenkt bekommen, das war die INSTED
„Bonds of Friendship“, das war meine erste Hardcorescheibe. Die kam auf
LOST AND FOUND raus, damals war LOST AND FOUND auch ziemlich bekannt,
damals hab` ich gedacht „Oh, LOST AND FOUND, bringen gute Bands raus“…
ja die INSTED eben und ab da hab ich mir die Texte durchgelesen
und irgendwie von „DRUGFREE“ und „STRAIGHT“ und „bla, PROUD
YOUTH“… wieso hat der `nen „X“ auf der Hand? Ich hab das am
Anfang nicht geblickt…was ist das? Was hat der da `nen „X“ auf der
Hand?...ja und dann hab ich mich immer mehr so reingelesen, so hier und
da, und hab dann natürlich auch die Philosophie dann mitbekommen,
was dahintersteckt und natürlich hab ich gekuckt, was hat LOST AND
FOUND noch für Bands. Da kamen NO FOR AN ANSWER, IGNITE…die IGNITE
hab ich mir dann damals geholt. Ich war dann voll auf IGNITE
irgendwie…ja und da kam` s dann eben peu à peu, dass Du
dann natürlich mitbekommst, dass es auch hier Bands gibt, die
Hardcore machen, dann geht man mal auf Shows, kuckt sich das an, lernt
langsam Leute kennen, weil man immer dieselben Leute sieht….
Immer dieselben?
Ja, immer dieselben und irgendwann
sagst Du dann automatisch auch „Hi“. Wenn ich jetzt fünfmal den
gleichen Typen auf einer Show sehe, dann sag ich eben schon mal „Hi“.
Ich meine, ich muss da jetzt nicht mit ihm großartig reden, aber
allein die Tatsache, dass ich sehe, „Hey, der geht auch auf kleine
Shows, der unterstützt die lokale Szene, bzw. auch kleinere
Bands“, ist da schon mal ein Kopfnicken, oder „Hi, hallo…“ einfach zu
wissen, cool irgendwie, dass Du das machst.
Hattest Du schon
immer mehr
deutsche Freunde?
Sowohl als auch. Ich war auf dem
Gymnasium (lacht)…hahhaha
….unsere türkische Bevölkerung ist
da nicht so gerade auf Gymnasium getrimmt, und da gab´s dann
eben nicht so viele Türken. Na ja, schon ein paar, aber die waren
jetzt auch nicht auf Hardcore. Ich hatte sowohl türkische
Freunde, als auch Deutsche. Klar, dadurch dass Du auf dem
Gymnasium bist, hast Du automatisch einfach mehr Kontakt zu Deutschen.
Bist Du
hier aufgewachsen?
Ist Deine Familie nicht so traditionell…
Ich muss schon sagen, wir sind
schon traditionell in einer Art und Weise, dass wir beispielsweise
islamische Feiertage einhalten …meine Mutter ist da schon dahinter, und
das haben wir als kleines Kind auch immer wieder mitbekommen. Mein
Vater eigentlich auch, aber er war immer mehr liberal, ihm war
das egal, und er hat auch mal gemeint, er versucht uns so liberal wie
möglich zu erziehen, dass wir nicht „Vollgas- Islam-Leute“ sind,
dass wir das eben selbst für uns finden oder auch nicht. Aber
traditionell waren wir schon, das muss ich schon sagen. Ich habe auch
mal gefastet mit meiner Mutter zusammen, natürlich als
Unterstützung. Wir haben auch diese ganzen Opferfeiertage,
Zuckerfest gefeiert.
Bayram?
Ja, bei mir hat das aber nicht
gefruchtet, wegen was auch immer. Ich glaube, ich hatte schon immer
meinen eigenen Kopf, aber mein Bruder ist da schon sehr, ich würde
sagen: gläubig und traditionell. Ich meine, er hat jetzt
geheiratet, ne Türkin, eben so wie es ja in
Anführungsstrichen sein sollte.
Ich kann mich
zumindest daran
erinnern, dass es bei Dir immer traditionell den „Sechs – Wochen-
Türkei -
Sommerurlaub“ gab…gibt´ s den noch?
Na klar, natürlich 6 Wochen
Türkei – immer. Ich hab meine „Familie“ unten, ich hab hier keine.
Wir sind die einzigen „Öners“ hier. Wenn wir die Chance haben,
dann fliegen wir eben im Sommer runter.
Das lohnt sich
dann ja auch.
Klar! Natürlich.
Wie schaut es
eigentlich in der
türkischen Hardcoreszene aus? Ihr hattet mit MORE THAN EVER
schon die Gelegenheit letztes Jahr bei einem großen Festival
„Rock The Nations“, u.a. mit CALIBAN, HATEBREED, AAMON AMARTH u.a. in
Istanbul zu spielen. Wie war das? Was für ein Gefühl war das
für Dich?
Also das Gefühl war schon
sehr, sehr „strange“…ich war voll aufgeregt natürlich, ich
hätte auch nie gedacht, dass wir irgendwann mal auf einem Festival
in der Türkei spielen.
Du kannst schon
so richtig
Türkisch?
Ja schon. Also ich kann jetzt nicht
so richtig gut türkisch sprechen, aber wenn ich da irgendwie
landen oder stranden würde, da würde ich nicht verhungern
oder ich würde auf jeden Fall nach Hause finden, sagen wir´
s mal so.
Hast Du die
Ansagen dann auch auf
Türkisch gemacht?
Ich hab ein paar Ansagen auf
Türkisch gemacht…hahhaha…Das war dann im Endeffekt nicht so `ne
gute Idee, weil die dann gemerkt haben, da gibt es einen der versteht
unsere Flüche und Ausdrücke und…hahahaha(lacht)…auf jeden
Fall konnten die mit Hardcore nichts anfangen. Das Festival an sich war
ein „ Metal- Festival“. In der Türkei ist die Hardcoreszene sehr
klein, also ich glaube es gibt nur in den Großstädten eine.
Ich hab nur mitbekommen, dass es in Ankara `ne kleine gibt und in
Istanbul.
Gibt es da ein
paar Bands, die da
bekannt sind?
Ja, treibende Kraft für den
türkischen Hardcore war immer RADICAL NOISE. Das war auch die
erste türkische Hardcoreband, die ich je mitbekommen hab.
Gibt es die noch?
Ne, nicht mehr. Also die gibt es
noch inoffiziell. Ich habe Kontakt mit dem Schlagzeuger und mit dem
Sänger ab und zu und als wir in Istanbul gespielt haben, da haben
wir uns das erste Mal kennen gelernt. Der hat gesagt, dass sie
irgendwie inoffiziell noch da sind, aber sie spielen nicht mehr, weil
Emre, der Schlagzeuger, studiert jetzt in Bochum, und kommt auch
für lange Zeit nicht zurück. Auf jeden Fall, die waren die
erste Band, die auch überraschend gut für mich waren, weil
bis jetzt hatte ich nie was Gutes gehört aus der
Türkei. In Istanbul haben wir dann Bands kennen gelernt. Da
gab´s LIFELOCK, YOUR KINGDOM IS DOOMED und okay…YOUR KINGDOM IS
DOOMED war mehr so Grindcore, so Gekreische, Gegröle…was ja auch
okay ist, aber eben nicht mein Ding ist. Und LIFELOCK entsprach mehr so dieser
Punkschiene, was aber auch voll okay war. Auf dem Festival haben noch
SELFTORTURE mitgemacht. Die haben nach ihrer Bezeichnung „Deathcore“
gemacht, was auch immer das sein soll. Es gibt schon Leute, die dann
auch Bands hören wie SICK OF IT ALL bis über HATEBREED, klar
MORNING AGAIN, Na ja, auf jeden Fall ist die Metalsache richtig
groß in der Türkei. Die stehen auch voll auf Solos und dort
ist Hardcore…..
Doro Pesch?
Hahahaha die natürlich auch,
die haben wir leider nicht gesehen, wir haben nur U.D.O. gesehen. Das
war witzig, ne egal…also die stehen auf Metal und Solos. Hardcore und
Punk ist für die billige Musik. Die Geschichte war dann eben so,
dass wir eigentlich relativ früh hätten spielen sollen, keine
Ahnung als dritte oder vierte, es hatten voll viele Bands
abgesagt - ich hab das nicht mitbekommen - auf einmal waren
wir so um 18-19 Uhr rum auf der Bühne, und das war für uns so
„Wow, okay.“ Dann haben wir im Nachhinein erfahren, dass wir anstelle
von MARDUK gespielt haben, MARDUK…irgend so ne komische Black Metalband
aus „Schiess-mich-tot“…die sich so anmalen…und Gekreische und
ääähhhh…
Die Fans haben
dann also gedacht,
ihr seid MARDUK?
Ja, die haben alle Eintritt
gezahlt. Ich sag´ s jetzt einfach mal so: der Organisator, der
hat natürlich nicht gesagt, dass MARDUK nicht spielt,
hhhahhhahha…(lacht)…Der hat
die Leute eiskalt Eintritt zahlen lassen,
und das war viel Geld für türkische Verhältnisse,…die
sind dann rein und haben dann erfahren: „Oh, MARDUK spielen
nicht!“.…wir standen dann da…
Konnten sie Ihre
Aggressionen dann
bei Euch ablassen?
Ja, und ich hab dann auch erfahren,
dass RADICAL NOISE, dadurch dass es Hardcore ist, verpönt wird und
ich mit meinem RADICAL NOISE - Shirt auf der Bühne…(lacht)…da war
schon klar, das kam dann so von den MARDUK Fans „Buuuhhh“ und
„wir wollen MARDUK“ …und „schiess- mich- tot“ . Es war aber für
uns auch die Erfahrung auf so `ner Riesenbühne mit fettem Sound,
so was hatten wir noch nie. Und das war der Hammer irgendwie.
Wie viele Leute
waren da beim
Konzert?
Ich glaube, als wir gespielt haben
4000. Es kamen nach der Show echt sehr viele Leute nach dem Konzert zu
mir und zu den anderen: „ was ist das für Musik? Da hab ich noch
nie von gehört. Das ist ja geil irgendwie…fand ich ziemlich cool,
das hat schon was gebracht…
Dieses Ding war
im Juli 2004. Dann
im September letzten Jahres seid ihr für einen Kurztrip nach
Beirut im Libanon gegangen. Wie kam es dazu? Ich habe noch nie von
einer Band gehört, dass sie im Libanon ein Konzert gibt,
geschweige denn eine Hardcoreband.
Ja, wir waren auch die erste ….
Nein quatsch es war so, da spielen nicht viele Bands, und da gehen
viele Bands auch nicht hin. Entweder sie haben Angst oder keine
Ahnung…Ich meine, im Libanon ging vor 10 oder 12 Jahren noch
Bürgerkrieg. Das kam dazu, dass der Typ uns auf der Show in
Istanbul uns gesehen hat. Der ist da extra wegen dem Festival
hingeflogen, und hat uns dort gesehen. Und er hing dann mit uns auch
die ganze Zeit ab, das war echt lustig. Er heißt George.
Ihr seid dann 3
Tage dort gewesen?
Wir waren ungefähr 3 Tage
dort, wir hatten eine Show, und das war dann so in ner Pferdearena,
Pferderennarena…wie nennt man so was? Das hat so `nen bestimmten
Namen irgendwie so `nen lateinisch-griechischen
ähnlich…“Proposorium“ oder so…egal…(beide lachen)…
Okay, ich
glaube, ich weiß
was Du meinst…
Das war halt richtig krass. Das war
ein Riesengelände mit so 1200 Leuten, und wir waren Headliner. wir
wurden in Beirut richtig verwöhnt, durften in einem 4 -
Sterne Hotel pennen, wir mussten für Essen und Trinken nichts
zahlen, wir hatten sogar einen eigenen Fahrer allein für uns…
Einen Fahrer???
Ja, wir hatten einen Fahrer. Murat
heißt der.
Fernsehen???
Fernsehinterview hatten wir in der
Türkei…(lacht)
Jetzt muss ich
noch mal auf den
Fahrer zurückkommen…ihr hattet wirklich einen eigenen Fahrer?
Wir hatten einfach einen eigenen
Fahrer: Murat. Der netteste Mensch „ever“. Das war einfach geil, so was
haben wir noch nie erlebt. Der Trip an sich war das Beste was wir mit
der Band erleben durften.
Geht ihr mal
wieder dort hin?
Ich weiß nicht. George hat
mal gemeint, er würde es voll cool finden, aber gerade ist es
etwas problematisch da unten. Ich hoffe auch, dass da unten nichts
großartig passiert. Als wir dort in der Stadt unterwegs waren,
haben wir auch Gebäude gesehen, die zerbombt waren.
Jetzt kommen wir
mal zu Eurem
aktuellen Release. „Give Us Our Hearts Back“
Kannst Du mir
mal was zum
Entstehungsprozess der CD erzählen? Wie seid ihr auf Tobi
und TIN ROOF STUDIO gekommen?
Also wie wir auf den Tobi gekommen
sind? Das ist ganz einfach, wir kannten ihn ja schon, da er die Mini -
CD abgemischt hatte und natürlich durch OPPOSITION OF ONE. Die
haben dort ihr Album aufgenommen, wir fanden den Sound schon sehr fett
und haben natürlich von den Jungs auch gehört, dass der Tobi
echt ein cooler und geduldiger Typ ist. Dann war für uns klar :
„Das ist ein gutes Studio hier in der Nähe!“ Wir hatten keinen
Bock da irgendwie 1000km hinzufahren und was aufzunehmen. Dann sind wir
Ende November ins Studio gegangen.
Wie lange habt
ihr aufgenommen?
Ich glaube so bis Mitte Dezember.
Also eineinhalb
Monate.
Ich glaube das Ding war dann so
richtig fertig mit allem drum und dran Ende Dezember. Da war auch alles
abgemischt und gemastert von Tobi. Wir haben natürlich nicht jeden
Tag aufgenommen. Also wir waren vielleicht 15 Tage oder 16, 17 Tage im
Studio.
Und zufrieden
mit dem Ergebnis?
Ja, ich bin sehr zufrieden damit.
„Give us our
hearts back“. Wie darf
ich den Titel interpretieren? Auf dem Cover- Artwork von Mike Bukowski
- übrigens sehr, sehr geil- hält ein Roboter ein
blutendes Herz in der Hand und die ganzen Zombies greifen nach diesem
blutenden Herzen…wie kam es zu diesem Titel? Ist es Konzept des Album?
Was für `ne Message steckt da dahinter?
Man könnte sagen, dass ein
Konzept dahinter steckt, wir haben uns das Layout vorher genau
überlegt was man hineininterpretieren kann, was es uns bedeuten
soll – der Albumtitel, das Cover, der Song „the Tragedy“ welcher mit
einem „Zombie Film Intro“ eingeläutet wird, das würde ich
schon als Konzept betrachten. Dieses „Give Us Our Hearts Back„ ist
eben auch eine Textpassage von „The Tragedy“. Die Idee dahinter ist,
dass wir Menschen einfach leichtfertig unser Herz weggeben, und
das Herz bzw. die Leidenschaft an einer Sache verlieren.
Mir
persönlich gefällt
der Titel sehr gut. Spontan fiel mir dazu das Thema „Leidenschaft und
Integrität der Hardcoreszene“ ein, da ich der Meinung bin, dass in
den letzten Jahren sehr viel davon verloren gegangen ist. Man kann den
Titel auch auf unsere Gesamtgesellschaft beziehen: die Menschen werden
immer kälter, davor kann sich keine Szene verschließen, auch
nicht die Hardcoreszene, die gerne von sich behauptet: wir sind
Hardcore- wir sind der harte Kern- wir sind wirklich wie das Innere von
einem Herzen, das so bebt und pulsiert und für eine Sache
kämpft und einsteht. Ich finde, gerade dort in dieser Szene ist
eine Menge von diesem Direkten und Leidenschaftlichen kaputt gegangen.
Ja, auf jeden Fall. Dieses „Give Us
Our Hearts Back“ passt überall hin: bei Menschen, die für
ihre Karriere alles machen, die über Leichen gehen, die ihre Seele
und Herz verkaufen, einfach so „Geld Geld scheffel scheffel“ und das
ist genauso auch im Hardcore, dass viele Leute symbolisch das
Herz weggeben haben, die Leidenschaft, die Uridee des Hardcore einfach
aus der Hand geben und sagen „Hey, ich mach jetzt nur Business. Ich
will Geld machen!“
Was bedeutet
für Dich Hardcore?
Hardcore für mich bedeutet, um
ehrlich zu sein, einfach so zu sein, wie ich gerade bin. Mein Leben zu
leben und anderen die Chance zu geben, auch ihren Weg zu gehen,
ohne dass ich da großartig anfange jetzt etwas
vorzuschreiben, oder mir Leute vorschreiben, was ich machen muss,
was die Gesellschaft mir versucht aufzudrücken, dass ich eben
sagen kann: „Hey nicht mit mir, ich geh meinen eigenen Weg!“
Denkst Du
Hardcore hat in letzter
Konsequenz auch sehr viel damit zu tun, authentisch zu sein, quasi sich
selbst zu sein und niemanden mehr was vorzumachen? „Ich trage keine
Masken, ich bin so wie ich bin.“ Und ich steh zu mir, wie ich bin, ob
ich jetzt Straight Edge bin, oder ob ich Fleisch esse, Vegetarier, oder
Veganer bin...
Genau, darum geht’s. Ich finde es
cool, wenn Leute „straight“ sind oder vegan, Vegetarier…weißt Du
das gehört alles zur der Hardcore Entwicklung dazu , aber das ist
nicht das wichtigste. Das wichtigste beim Hardcore ist, das Leute
zusammen kommen .
Aber es
funktioniert nicht? Warum
funktioniert es nicht?
Ich weiß nicht, weil der
Mensch einfach Mensch ist. Wir sind auch nicht anders, wir bekommen
alles von der Gesellschaft vorgelebt. Wieso funktioniert die
Gesellschaft nicht? Wieso gibt es Leute, die Leuten auf die Fresse
hauen, nur weil sie schwarz sind? Warum gibt es Nazis? Das funktioniert
alles irgendwie nicht, und diese großen Probleme projezieren sich
auch in diese kleine Hardcoregesellschaft, so dass Leute meinen: „Hey
du bist nicht straight - was willst du hier?“ und „Du hörst nur
SICK OF IT ALL, Du bist ja nur so `nen Hardcore-Newbie“, weißt Du
und da fängt es dann irgendwie an, wenn dieses elitäre
Gedankengut kommt, dann funktioniert das Ganze natürlich nicht.
Schon klar! Der eine:„Du scheiß Veganer!“, der andere: „Hey, was
Du scheiß Fleischfresser!“, „Geh mir weg mit deinem Bier!“, dann
fängt es eben an. Wir sind quasi die Gesellschaft nur in ganz
klein.
Ist das nicht
frustrierend? Wir
schreien alle nach Veränderung und nichts passiert? Weißt
Du, für mich war Hardcore immer dieses „nach Veränderung
schreien“, die Gesellschaft und deren Umstände zu benennen, so `ne
ganz tiefe Sehnsucht etwas besser zu machen, aber schon seit über
10-20 Jahren beweist sich, dass alles bleibt, wie es ist… verstehst Du?
Ich finde das verdammt frustrierend, und ich würde jetzt gerne
dieses Thema nicht mit so `nem „Frustding“ abschließen, sondern
irgendwie sagen können: „Hey wie bekommen wir das besser hin?“
Muss es noch mehr Bands geben, oder muss es Bands geben, die mal sagen
„Hallo, wach mal auf!“???
Es gibt ja genügend Bands, die
darauf hinweisen, dass da selbst in der Hardcoreszene etwas falsch
läuft, aber um ehrlich zu sein hab ich keine Idee wie man die Lage
verbessern kann. Dieses ganze Bollozeug, weißt Du Leute, die sich
auf Shows auf die Fresse hauen. Man kann ja schon irgendwie „dancen“,
aber dieses „Bein hoch, Fuß hoch, high kick low kick
Hauptsache ich treff` irgendeinen“….in Amiland geht´s ja schon
richtig krass ab.
Da gibt´s
ja schon richtige Crews die Leute verkloppen…
…die einfach nur auf Shows sind, um
sich zu kloppen. So weit ist es schon. Das findest du Fußball mit
Hooligans, jetzt haben es eben irgendwelche Trottels auch für
Hardcore gefunden, die Hardcore als Forum haben, okay geh ich halt mal
hin, ein wenig „Violent Dancing“: „Oh einer hat mich komisch
angerempelt, und jetzt gibt´s auf die Fresse“.
Denkst Du,
es ist legitim mit
Hardcore auch Geld zu verdienen, jetzt nicht so erzwungen in der Art,
ich mach ´ne Hardcoreband, damit ich möglichst viel Kohle
mache, sondern ich habe einfach Bock auf Musik, ich bin Musiker, hab
Bock auf Hardcore und wenn´s mit meiner Musik gut läuft,
dann geh ich auch zu einem Majorlabel und dann verdiene ich damit Geld.
Also ich persönlich finde es in Ordnung, weil wir werden alle
nicht jünger, wir müssen auch von etwas leben, und ich sehe
es nicht als „Sellout“ an.
Also es kommt eben drauf an, was Du
machst. „Sellout“ bist Du nur, wenn Du anschließend anfängst
Deine „Roots“ zu verleugnen, wenn Du anfängst zu sagen, das haben
wir nie gemacht, weißt Du? Dann wär´s ein „Sellout“.
Aber Major bedeutet auch nicht gleich die Masse an Kohle zu verdienen,
aber dass jemand z.B. das Studio bezahlt, so dass Du aufnehmen kannst
und jeder der eine Band hat, weiß wie viel aufnehmen kostet und
wenn das mal übernommen wird. Deswegen denke ich, dass jede Band
da mitmachen würde.
Stimmt, finde
ich auch. Gerade bei
HATEBREED beispielsweise werden auch viele New Metal -Kids an Hardcore
herangeführt und die geben der Szene schon …
…ja mit New Metal ist das aber auch
wieder so was anderes, das ist so `nen oberflächliches. Hauptsache
die Gitarre ist runtergestimmt, was weiß ich, „Dip du dow„ (Orhun
macht Sound von New Metalbands nach) und es geht um „Jump the
fuck
up“…(beide lachen)…irgend `nen
Typ macht `nen Affen nach, „waaaa waaa“
(Orhun imitiert Gesang von disturbed
nach) weißt Du und das ist
dann so oberflächlich, ich weiß nicht, ob das so toll ist?
Aber wenn von den oberflächlichen Kids, die dann durch HATEBREED
an Hardcore kommen, und sich dann ihre Denkweise ändert, hat die
Szene schon was davon.
Zu Eurer Release
Show: die gab es
ja schon letzte Woche Samstag im Demoz in Ludwigsburg? Warum habt
ihr es im DEMOZ gemacht?
Weil uns das Demoz angefragt hat.
Die Jungs haben´s mitbekommen, dass wir eine Releaseshow machen
wollen und die Jungs & Mädels hatten Bock darauf, dass wir das
bei denen machen, weil die Shows im Demoz immer gut waren. Das Demoz
ist ein coole Location. Da machen wir´s.
War die Release
Show cool für
Euch? Ich glaube es waren an die 120 zahlende.
Ja, es waren schon einige Leute da,
das hat uns gefreut. Es wären auch noch einige mehr gekommen aus
dem Schwarzwald, aber die kamen nicht raus, wegen diesem Schneechaos,
selbst aus Österreich wollten ein paar Leute anfahren, die kamen
auch nicht raus…
Ja ich
hab´s mitbekommen…
…aber an sich hat die Show echt
Spaß gemacht . Gut, es ging jetzt nicht so ab, dass jetzt das
Publikum sich tot getobt hätte - davon geh ich schon gar nicht
mehr aus- aber so an sich haben wir das Set „tight“ durchgespielt…
…es war auch
sehr guter Sound…
Der Sound war sehr gut, hab ich
auch gehört. Das hat mich überrascht und es hat einfach
Spaß gemacht. Freunde waren da. Darum ging´s eigentlich.
Es war auch ne
sehr familiäre
Atmosphäre.
Genau !!!
Wie kam es
eigentlich dazu, dass
Mike Bukowski Euer Cover Artwork gemacht hat? Immerhin hat er ja auch
COMEBACK KID gemacht, er hat NOFX gemacht….
MOST PRECIOUS BLOOD hat er auch
schon gemacht…
...das ist echt
ein Hammer Artwork,
auch Euer Poster – super.
Wir haben ihn einfach angeschrieben.
Und das war
finanziell dann auch
okay?
Wir haben ja davor das T-Shirt
Motiv gemacht, eine Vogelscheuche. Damit hat´ s eigentlich
angefangen, dann haben wir ihn einfach gefragt ob er auch nicht Lust
hätte für unser Album das Layout zu machen. Finanziell
gesehen lag es in dem Rahmen den wir uns gesteckt haben.
Und es war ihm
egal, für
welche Band er das macht?
Glaub ich nicht ganz, die Sachen
welche er macht sind schon alle aus dem Hardcore / Punk Bereich in
welchem er sich ja auch bewegt. Er hatte uns nachdem wir ihn
angeschrieben haben gemailt, dass er unsere Website angeschaut
hätte und es cool fand das wir im Libanon und der Türkei
spielen würden. Übrigens war er keinesfalls abgehoben oder so
was, sondern ein sehr netter und angenehmer „Dude“ mit dem es „easy to
work“ war.
Okay jetzt
kommen wir langsam zum
Schluss. Gibt es schon konkrete Pläne für 2005? Ihr habt
jetzt das Album raus, die Promotion läuft…
Ich hoffe natürlich, dass wir
ein paar Shows spielen werden, eine Tour ist geplant, aber wann wo wie
warum mit wem ist noch nicht so richtig klar…also wir werden vielleicht
im Mai ein paar Shows mit ALOVE FOR ENEMIES spielen…
ja genau,
Facedown Records…
da freu ich mich auch drauf. Dann
ist da vielleicht noch eine Tour mit LIFE IN YOUR WAY….Ob das jetzt
dann klappt, das ist dann wieder was ganz anderes, aber wir werden
sehen. Wir haben noch nie so `ne große Tour mitgemacht. Mit
COMEBACK KID haben wir nur zwei drei Shows mitgespielt, oder mit TURN
AWAY waren wir mal im Norden oben, aber da auch nur für zwei drei
Shows. Also wir haben jetzt nicht großartig irgendwie…nennen
wir´s mal Tourerfahrung.
Aber das
wäre auf jeden Fall
dieses Jahr mal dran.
Ja, hoffentlich, wir wollen mal
richtig auf Tour gehen.
Möchtest Du
irgendwelche
Shoutouts machen? Probs raus?
Shoutouts? Ich geb` keine „Probs“
und ich hab auch noch nie „dues gepayed“… (lacht)…
Ich danke natürlich allen, die
uns supporten über die ganzen Jahre, da gibt es echt viele Leute
Natürlich danke ich Dir für dieses Interview, ich danke Benne
von GUIDELINE, dass er uns eine Plattform gib. Ich danke natürlich
der SOUTHSIDE COMMUNITY, Marc HOLD THE LINE, der ein kleines cooles
Label macht, und der da auch versucht Bands zu pushen. Finde ich
richtig gut, checkt RIGHT HERE aus. Und ganz am Schluss meinen Jungs
von MORE THAN EVER für die coole Zeit, hab ich noch jemanden
vergessen(lacht)….ne, sonst
hab ich keinen oder…hab ich irgendjemanden
noch?
I don`t know.
Weiß ich auch nicht.
Dann sage ich
danke für´s Interview.
Bitte.
Das
Interview wurde von Cornelia Schmitt geführt.